4 Kommentare
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Avatar von Juli

Es gibt Kontexte, in denen Triggerwarnungen total sinnvoll sind: Wenn die Inhalte speziell für Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung, PTSD usw. gedacht sind oder sie Teil der Zielgruppe sind. Denn dann kann der Inhalt Flashbacks auslösen, die für die Betroffenen sehr schlimm sind. Und da geht es tatsächlich weniger um "bereite dich vor" und mehr um "bist du aktuell in der Verfassung und stabil genug, das aushalten zu können? Wenn nicht, dann überspring diesen Teil". In diesen Kontexten wird dann auch zB die Hand gehoben, so dass man so lange die Ohren zuhalten oder den Ton ausmachen kann, oder es wird gesagt, zu welcher Stelle im Video man springen kann, um den triggernden Inhalt zu vermeiden.

Trotzdem ein spannender Text. Danke. Anbieten von Lösungen und Handlungsanweisungen klingt auf jeden Fall gut. Ich kann mir auch vorstellen, dass man vor Beginn des triggernden Inhalts gemeinsam ein paar tiefe Atemzüge nimmt, oder ähnliche stabilisierende Achtsamkeitsübungen.

Avatar von Silver Mary

Deine Argumente sind für mich alle schlüssig. Was mir fehlt ist der Aspekt, dass mir als Betroffene einen Triggerwarnung die Freiheit gibt selbst zu wählen ob ich mich mit dem Thema konfrontieren möchte oder nicht. Wie auch immer das dann psychologisch Vermeidung oder Antizipation auslöst ist mir erstmal egal. Ich finde es moralisch nicht ok Menschen mit Traumata in ihre Trigger rennen zu lassen.

Avatar von Sebastian Tillmann

Da stimme ich dir völlig zu. Mein Ansatz ist auch nicht "Triggerwarnings funktionieren nicht also machen wir nichts".

Es gibt nämlich noch andere Dinge, die man tun kann. In meiner Lehre habe ich z.B.:

a) in meinem Syllabus immer explizit auf Unterstützungsangebote seitens der Universität hingewiesen

b) immer angeboten, individuelle Bedarfe im angemessenen Rahmen zu berücksichtigen (z.B. durch das Tragen eines Mikrofons für Studierende mit Hörbeeinträchtigung), da würde ich auch hier im Bereich Trauma die Studierenden bitten, sich bei entsprechenden Bedarfen frühzeitig zu melden

c) möglichst viele Informationen über die Veranstaltung vorab schon zu veröffentlichen, damit die Studierenden informiert eine Entscheidung treffen können. Hier würde ich besonders grafische oder ähnlich verstörende Materialien erwähnen und die Entscheidung dann den Studierenden überlassen.

d) auch immer erwähnt, dass Studierende jederzeit den Raum verlassen können, wenn das für sie nötig ist, ohne Angabe von Gründen.

All das ist vermutlich sehr viel hilfreicher als eine Warnung am Anfang des Seminars "Heute zeige ich XYZ", was dann zu erhöhter Angst im Vorfeld führt aber sonst (zumindest nach Studienlage) keinen positiven Effekt hat.

Avatar von Silver Mary

Ja, super, danke für die Ideen, wie man es besser machen kann. Ich hab jetzt eben auch an ein Buch oder einen Film gedacht. Was müsste da im Vorfeld an Information verfügbar sein, dass beispielsweise klar ist, dass es triggern kann, weil es in bestimmte Themen rein geht und was würde dann wieder nur eine kontraproduktive Triggerwarnung sein. Finde es gerade bei Medien wirklich schwierig das richtige Maß zu finden. Ich möchte natürlich nicht, dass jemand mein Buch liest und von einer Stelle mit z.B. häuslicher Gewalt so getriggert wird, dass er wochenlang nicht mehr fähig ist seinem Alltag nachzugehen. Ist es da nicht besser dann die antizipatorische Angst zu schüren und im Zweifel davon fern zu bleiben?