Diskussion über diese Post

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Avatar von Markus Baum

Dankeschön für den guten Überblick über die Studien- und Datenlage. Ich bin kein Linguist, aber Sprachprofi - Medienschaffender, Autor, Übersetzer, Lehrender in Sachen hörgerechte Kommunikation. Was Letzteres betrifft, hilft mir der Genderstern und das Binnen-I kein Stück. Beruflich pflege und vermittle ich "aufmerksame Sprache": Generisches Maskulinum vermeiden, beide Geschlechter ansprechen, Ladies First (weil das spätestens seit Napoleon ein Gebot der Höflichkeit ist, und die ist m.W. nicht grundsätzlich abgeschafft). Frauen stelle ich es frei, welche Reihenfolge sie wählen.

Bei aller grundsätzlichen Zustimmung zu Ihrer Haltung: Gendersprache wie aufmerksame Sprache hat unverrückbare Grenzen. Die hängen u. A. mit den Umständen des Spracherwerbs zusammen. Zu meinem großen Vergnügen sperrt sich z. B. der. Begriff "Muttersprache" hartnäckig gegen alle Genderversuche. Angebotene Alternativen sind durchweg nicht sachgerecht. Und seit Ludwig Wittgenstein ist bekannt, dass Menschen ihren Wortschatz im Rahmen von Sprachspielen erweitern. Das Spielerische ist der erbittert-schalkhafte Feind verordneter Sprachregelungen. Müsste ich den Schalk und den Feind eigentlich auch gendern? Obwohl sich beide auf das sächlich-neutrale Spielerische beziehen? - Ganz im Ernst: Sprachkonventionen sind genau dieses. Vereinbarungssache. Solange sich niemand herausnimmt, andere zu bevormunden, und solange frei ausgehandelt wird, was gilt, ist alles gut.

Avatar von Raphael della Schiava

Danke für den aufschlussreichen Artikel! Was ich mich schon länger frage: Könnte es sein, dass der Effekt (dass großteils an Männer gedacht wird beim generischen Maskulinum) noch größer wird im Laufe der Zeit? Weil wenn immer mehr Personen gendern, kann man ja davon ausgehen, dass auch wirklich nur Männer gemeint sind wenn das gen. Mask. verwendet wird. (Sonst wäre ja gegendert worden)

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