Die vermessene Einsamkeit
Warum die Epidemie-Rhetorik mehr verspricht, als die Daten halten
Es gibt eine Zahl, die in fast jedem Zeitungsartikel, jeder Talkshow und jedem politischen Strategiepapier zur Einsamkeit auftaucht: Einsamkeit sei so schädlich wie das Rauchen von fünfzehn Zigaretten am Tag. Die Zahl ist eingängig, sie ist alarmierend, und sie hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Regierungen weltweit die Einsamkeit als gesundheitspolitisches Handlungsfeld entdeckt haben.
Sie hat nur einen Schönheitsfehler. Die Forscherin, auf deren Arbeit sie zurückgeht, Julianne Holt-Lunstad, hat sich von ihr inzwischen selbst distanziert. Die ursprüngliche Metaanalyse von 2010 untersuchte nicht Einsamkeit, sondern soziale Beziehungen insgesamt, und die Übertragung auf “fünfzehn Zigaretten” überdehnt die Evidenz auf eine Weise, die Holt-Lunstad und Kollegen 2023 in einer ausdrücklichen Klarstellung als Vereinfachung kritisierten, die das Risiko überzeichnet.
Das ist kein nebensächliches Detail. Es ist das Muster des gesamten Feldes im Kleinen: Eine Forschungslage, die nuancierter, schwächer und widersprüchlicher ist, als ihre öffentliche Rezeption suggeriert. Dieser Artikel geht drei Fragen nach. Erstens: Was ist Einsamkeit überhaupt? Zweitens: Haben wir tatsächlich eine Epidemie? Und drittens: Funktionieren die Interventionen, in die nun öffentliche Mittel fließen?
Teil 1: Was ist Einsamkeit?
Bevor man über Trends und Interventionen sprechen kann, muss man wissen, wovon man redet. Und das ist beim Thema Einsamkeit weniger selbstverständlich, als es scheint.
Einsamkeit ist in der Forschung definiert als das subjektive, schmerzhaft empfundene Missverhältnis zwischen den sozialen Beziehungen, die man hat, und denen, die man sich wünscht. Entscheidend ist das Wort subjektiv. Einsamkeit ist nicht dasselbe wie soziale Isolation, das ist der objektive Zustand, wenige soziale Kontakte zu haben. Man kann von Menschen umgeben und zutiefst einsam sein, und man kann weitgehend allein leben, ohne sich einsam zu fühlen. Diese Unterscheidung klingt akademisch, aber sie ist der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Debatte. Denn Politik und Medien werfen beide Begriffe permanent in einen Topf und behandeln dann die objektiv messbare Größe (wie viele Menschen leben allein?) als Beleg für die subjektive (wie viele fühlen sich einsam?). Das sind zwei verschiedene Dinge, die sich empirisch erstaunlich schlecht aufeinander abbilden lassen.
Eine zweite Differenzierung geht auf den Soziologen Robert Weiss zurück, der bereits 1973 zwischen emotionaler und sozialer Einsamkeit unterschied. Emotionale Einsamkeit ist das Fehlen einer engen, vertrauten Bezugsperson, z.B. eines Partners oder einer intimen Freundschaft. Soziale Einsamkeit ist das Fehlen eines breiteren Netzwerks, einer Gemeinschaft, in die man eingebunden ist. Die beiden hängen mit unterschiedlichen Dingen zusammen und können durch unterschiedliche Interventionen adressiert werden. Wer seinen Partner verloren hat, dem hilft kein Nachbarschaftstreff; wer in eine neue Stadt gezogen ist, dem hilft keine Paartherapie.
Und drittens, vielleicht am wichtigsten für alles, was folgt: der Unterschied zwischen episodischer und chronischer Einsamkeit. Episodische Einsamkeit ist allgegenwärtig und vollkommen normal. Sie gehört zu Lebensübergängen: zum Umzug, zur Trennung, zum ersten Semester in einer fremden Stadt, zum Renteneintritt. Fast jeder Mensch erlebt sie irgendwann. Chronische Einsamkeit dagegen, d. h. Einsamkeit, die über Jahre persistiert, ist ein anderes Phänomen. Sie betrifft je nach Definition fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung, und sie ist es, die mit gesundheitlichen Folgen assoziiert wird. Das eine ist eine normale menschliche Erfahrung. Das andere ist ein gesundheitliches Problem. Wer beide unter einem Begriff zusammenfasst, produziert zwangsläufig dramatische Zahlen und löst zugleich das eigentliche Problem nicht.
Damit sind wir bei der Messung, und hier wird es heikel. Das weltweit dominante Instrument ist die UCLA Loneliness Scale, meist in ihrer revidierten Version mit zwanzig Fragen, die jeweils von “nie” bis “oft” beantwortet werden. Sie formuliert indirekt, d. h. sie fragt nicht “Sind Sie einsam?”, sondern “Wie oft fühlen Sie sich von anderen ausgeschlossen?”. Daneben gibt es die in Europa verbreitete De-Jong-Gierveld-Skala und, vor allem in großen Bevölkerungsumfragen, einfache Einzelfragen (”Fühlen Sie sich oft einsam?”).
Diese Instrumente sind nicht austauschbar. Direkte Einzelfragen produzieren systematisch niedrigere Werte, weil das Wort “einsam” stigmatisiert ist und die Leute zögern, es auf sich anzuwenden. Wie groß dieser Effekt ist, zeigte das BBC Loneliness Experiment eindrücklich: Wurde Einsamkeit indirekt statt direkt erhoben, wechselte ein erheblicher Anteil der Befragten von “nie einsam” zu “manchmal einsam”. Dieselbe Person, dasselbe Gefühl, eine andere Frageformulierung und eine deutlich andere Prävalenzzahl. Man sollte sich diese Skalierung merken, denn sie wird uns in Teil 3 als Maßstab wieder begegnen.
Teil 2: Haben wir eine Epidemie der Einsamkeit?
Die kurze Antwort lautet: Es kommt darauf an, wen man fragt, wo man misst und über welchen Zeitraum man spricht. Die etwas längere Antwort ist, dass die These eines flächendeckenden, dramatischen Anstiegs der Einsamkeit über die letzten Jahrzehnte für weite Teile Europas schlicht nicht belegt ist.
Ein historisches Lehrstück
Beginnen wir mit einer Geschichte, die sich gut zwanzig Jahre vor der heutigen Debatte abspielte. 2006 veröffentlichten McPherson und Kollegen im American Sociological Review eine Studie, die für Aufsehen sorgte: Der Anteil der Amerikaner, die niemanden hatten, mit dem sie über wichtige Dinge reden konnten, habe sich zwischen 1985 und 2004 dramatisch erhöht. Die Befunde wurden weltweit als Beleg für den Zerfall sozialer Bindungen rezipiert.
Drei Jahre später nahm sich der Soziologe Claude Fischer die Daten noch einmal vor. Sein Ergebnis, ebenfalls im American Sociological Review: Der spektakuläre Anstieg war höchstwahrscheinlich ein Artefakt der Erhebung. Veränderungen in der Position des Fragebogens, sinkende Rücklaufquoten und technische Effekte hatten einen Trend vorgetäuscht, den es so nicht gab. Die tatsächliche Rate enger sozialer Beziehungen war weitgehend stabil geblieben.
Diese Geschichte ist deshalb lehrreich, weil sie sich fast wörtlich wiederholt hat. Eine der zentralen Datenquellen, auf die sich der amerikanische Surgeon General 2023 bei seiner Proklamation einer “Einsamkeitsepidemie” stützte, war eine Analyse, die einen drastischen Anstieg sozialer Isolation behauptete. Auch sie wurde von mehreren unabhängigen Forschungsteams reanalysiert, mit dem Ergebnis, dass abgeschnittene Diagrammachsen, die Betonung statistischer Signifikanz ohne Effektstärken und die Einbeziehung des Pandemiejahres 2020 das Bild dramatisiert hatten. Der “Niedergang der sozialen Bindungen” ist, so scheint es, ein wiederkehrendes Motiv, das jede Generation neu für sich entdeckt und das bei genauerer Prüfung jedes Mal kleiner wird.
Die “fünfzehn Zigaretten” und ihre Geschichte
Kehren wir zur Eingangszahl zurück, denn sie verdient eine genauere Betrachtung. Die Metaanalyse von Holt-Lunstad, Smith und Layton aus dem Jahr 2010 wertete 148 Studien aus und fand, dass Menschen mit stärkeren sozialen Beziehungen eine geringere Sterblichkeit aufwiesen. Daraus wurde die Analogie zu den fünfzehn Zigaretten abgeleitet. Das Problem: Die Analyse betraf soziale Beziehungen insgesamt und damit Dinge wie Netzwerkgröße, soziale Unterstützung, Isolation und Einsamkeit als Sammelbegriff, nicht die subjektive Einsamkeit im engeren Sinn.
Als die Forschungsgruppe 2015 spezifisch die Einsamkeit untersuchte, fiel der Effekt deutlich schwächer aus. Und 2023 stellte Holt-Lunstad gemeinsam mit Kollegen ausdrücklich klar, dass die populäre Analogie die Evidenz vereinfache und das Risiko womöglich überbetone. Das ist ein bemerkenswerter Vorgang: Die Urheberin der wirkmächtigsten Zahl der Einsamkeitspolitik distanziert sich von ihrer Verwendung, während die Zahl in Strategiepapieren munter weiterzirkuliert.
Was die belastbarsten Studien zeigen
Damit ist nicht gesagt, dass sich gar nichts verändert hätte. Es gibt durchaus robuste Befunde, aber sie sind spezifischer, als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Bei jungen Erwachsenen zeigt die methodisch sauberste Arbeit, eine präregistrierte Metaanalyse von Buecker und Kollegen aus dem Jahr 2021, die 437 Stichproben über den Zeitraum von 1976 bis 2019 zusammenführte, tatsächlich einen Anstieg von etwa einer halben Standardabweichung. Allerdings primär in nordamerikanischen Stichproben, abgeschwächt anderswo. Und die Autoren selbst mahnen zur Vorsicht: Alters-, Perioden- und Kohorteneffekte lassen sich in solchen Daten nicht sauber trennen.
Bei Jugendlichen verweisen Twenge und Kollegen (2021) auf die internationalen PISA-Daten, die ab etwa 2012 in fast allen untersuchten Ländern einen Anstieg der schulbezogenen Einsamkeit zeigen. Zusätzlich räumen die Autoren selbst ein, dass die Messung in den verschiedenen Erhebungswellen nicht durchgängig vergleichbar ist, ein Problem, das in der Methodenforschung “fehlende Messinvarianz” heißt. Etwas vereinfacht: Wenn dieselbe Frage in zwei Erhebungen oder zwei Ländern unterschiedlich verstanden wird, kann man die Mittelwerte nicht direkt nebeneinanderstellen, auch wenn die Zahlen das nahezulegen scheinen. Bei den PISA-Daten ist genau das teilweise der Fall.
Am aufschlussreichsten für unsere Frage ist die Arbeit von Infurna und Kollegen aus dem Jahr 2024, die harmonisierte Längsschnittdaten aus den USA und dreizehn europäischen Ländern zusammenführte. Ihr Befund: Einen historischen Anstieg der Einsamkeit im mittleren Lebensalter gibt es, aber im Wesentlichen in den USA und Teilen Südeuropas. In Kontinental- und Nordeuropa zeigt sich kein solcher Anstieg, eher das Gegenteil. Und das amerikanische Niveau liegt deutlich über jedem europäischen Vergleichswert.
Bleibt die Pandemie. Hier gab es zweifellos einen Anstieg, eine präregistrierte Metaanalyse von Ernst und Kollegen (2022) bestätigt ihn. Aber die Autoren wählen bemerkenswert nüchterne Worte: Die beobachteten Effekte seien klein und heterogen, und Sorgen über eine “Einsamkeitspandemie” seien zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich übertrieben.
Was die europäischen Daten zeigen
Wenn man von Europa und besonders von Deutschland spricht, kippt das Bild der Epidemie fast vollständig.
Eine präregistrierte Auswertung des European Social Survey für 17 Länder über den Zeitraum 2006 bis 2015 ergab keinen Anstieg, sondern einen leichten Rückgang der Einsamkeitsprävalenz. Für ältere Deutsche dokumentierten Hülür und Kollegen (2016) sogar einen substanziellen Rückgang über zwei Jahrzehnte. In den Niederlanden: ein leichter Rückgang. In Schweden: keine Veränderung. Eine systematische Übersicht über 113 Länder fand, soweit Trenddaten verfügbar waren, keinen konsistenten globalen Anstieg über die beiden Jahrzehnte vor der Pandemie.
Die deutschen SOEP-Daten – die methodisch hochwertigste Quelle für Deutschland – zeichnen ein klares Bild: zwischen 1992 und 2017 eine stabile bis leicht rückläufige Einsamkeitsbelastung, dann der pandemiebedingte Sprung, dann eine weitgehende Rückkehr in Richtung Ausgangsniveau. Mit einer wichtigen Ausnahme, auf die wir gleich zurückkommen: den jüngeren Erwachsenen, die sich nicht vollständig erholt zu haben scheinen.
Die Pointe lässt sich kaum vorsichtiger formulieren: Die “Einsamkeitsepidemie” ist in erster Linie ein US-amerikanisches Phänomen mit einem teilweise validen Kern. Für Kontinentaleuropa und insbesondere Deutschland gibt es vor der Pandemie keinen Beleg für einen säkularen Anstieg.
Warum die Trendfrage so schwer zu beantworten ist
An dieser Stelle lohnt ein methodischer Einschub, denn er erklärt, warum so unterschiedliche Zahlen kursieren.
Erstens messen verschiedene Instrumente verschiedene Dinge, wie wir in Teil 1 gesehen haben. Trendaussagen, die über unterschiedliche Skalen hinweg gebildet werden, sind nur mit Vorsicht zu genießen.
Zweitens, und das ist der klassische Fallstrick der Lebensspannenforschung, lässt sich aus Querschnittsdaten kaum auf Entwicklung schließen. Eine Metaanalyse von Mund und Kollegen (2020) über 75 Längsschnittstudien zeigte, dass viele scheinbare “Altersmuster” der Einsamkeit verschwinden, sobald man dieselben Menschen über die Zeit verfolgt, statt verschiedene Altersgruppen zu einem Zeitpunkt zu vergleichen. Was wie ein Alterseffekt aussieht, ist oft ein Kohorteneffekt: also kein Unterschied zwischen Lebensphasen, sondern zwischen Generationen, die in unterschiedlichen Zeiten aufgewachsen sind. Dass die heute 75-Jährigen einsamer wirken als die heute 40-Jährigen, könnte schlicht daran liegen, dass sie eine andere Kindheit, andere Familienstrukturen und eine andere Sozialgeschichte hinter sich haben, nicht daran, dass das Alter selbst einsam macht.
Drittens, und das ist für den internationalen Vergleich besonders relevant: Die gängigen Skalen sind nicht ohne Weiteres kulturübergreifend vergleichbar. Eine Studie von Hudiyana und Kollegen (2022) prüfte die Messinvarianz der UCLA-Skala in Deutschland, den USA und Indonesien an über 2.300 Personen. Das Ergebnis ist alles andere als großartig: Weder die zwanzig- noch die achtteilige Version erfüllte die Kriterien für kulturübergreifende Vergleichbarkeit. Zwei Items der Kurzversion, die nicht direkt mit sozialer Isolation zu tun haben, brachen die Invarianz. Erst eine auf sechs Items reduzierte Variante, die sich strikt auf das Gefühl des Ausgeschlossenseins konzentriert, war wirklich vergleichbar. Das heißt im Klartext: Ein erheblicher Teil der publizierten Länderrankings der Einsamkeit könnte zumindest teilweise ein Messartefakt sein – also ein Schein-Befund, der nicht aus realen Unterschieden, sondern aus der unterschiedlichen Funktionsweise des Instruments in verschiedenen Kulturen entsteht.
Die Subgruppen, in denen es ein reales Problem gibt
Nichts von alledem bedeutet, dass Einsamkeit kein Problem wäre. Es bedeutet nur, dass das Problem ein anderes ist als das in der öffentlichen Debatte gezeichnete. Es gibt identifizierbare Gruppen mit real erhöhter Einsamkeit: die chronisch Einsamen, jene fünf bis zehn Prozent, für die Einsamkeit ein dauerhafter Zustand ist; die Hochbetagten jenseits der 75, bei denen Verwitwung und gesundheitliche Einschränkungen zusammenkommen; und die jungen Erwachsenen (vor allem Männer), deren Werte nach der Pandemie erhöht geblieben sind, wobei noch unklar ist, ob das ein neues, stabiles Niveau ist oder eine vorübergehende Nachwirkung.
Das ist die eigentliche Erkenntnis von Teil 2: Es gibt keine populationsweite Einsamkeitskrise in Deutschland. Es gibt reale, demografisch weitgehend stabile Subgruppen mit erhöhter Einsamkeit. Und das ist eine ganz andere Diagnose mit ganz anderen Konsequenzen für die Therapie.
Teil 3: Funktionieren die Interventionen?
Nehmen wir für einen Moment an, man wolle der Einsamkeit mit Programmen begegnen. Dann stellt sich die entscheidende Frage: Wirken sie? Und hier ist die Antwort, vorsichtig formuliert, ernüchternd.
Was die Metaanalysen sagen
Der klassische Referenzpunkt ist die Metaanalyse von Masi und Kollegen aus dem Jahr 2011. Sie unterschied vier Typen von Interventionen: die Verbesserung sozialer Fertigkeiten, die Erhöhung sozialer Unterstützung, das Schaffen von Gelegenheiten für Kontakt und die Veränderung verzerrter sozialer Denkmuster. Das Ergebnis war bereits damals aufschlussreich: In den methodisch strengsten Studien, den randomisierten kontrollierten Versuchen, war der durchschnittliche Effekt klein. Und nur ein Interventionstyp zeigte robuste Wirkung, nämlich die kognitive Umstrukturierung verzerrter Denkmuster, also ein psychotherapeutischer Ansatz. Ausgerechnet das Schaffen von Begegnungsgelegenheiten, also genau das, was der Großteil kommunaler Einsamkeitsprogramme finanziert, schnitt am schwächsten ab.
Diese Befunde sind kein Relikt. Eine umfassende Übersicht von Hickin und Kollegen (2021) bestätigte sie an einer kleineren, neueren Studienbasis. Die bislang größte und methodisch sauberste Arbeit ist jedoch eine präregistrierte Meta-Analyse von Lasgaard und Kollegen, 2025 im American Psychologist erschienen. Sie wertete 280 Studien mit insgesamt rund 30.000 Teilnehmenden aus, davon 146 randomisierte kontrollierte Versuche. Für diese RCTs ergab sich ein moderater Kurzzeiteffekt von SMD = −0,50 auf die Einsamkeit. Übersetzt in die UCLA-Skala wären das rund fünf Punkte Reduktion. Auf den ersten Blick ein respektables Ergebnis.
Doch die Autoren selbst betonen, dass die Evidenzqualität nach dem international standardisierten GRADE-System nur als “niedrig” einzustufen ist. Was das in der Praxis heißt, lässt sich an einem methodischen Werkzeug zeigen, das in der politischen Rezeption von Meta-Analysen kaum vorkommt: dem Prediction Interval.
Was ein Prediction Interval ist und warum es wichtig ist
Wenn eine Meta-Analyse einen Mittelwert von SMD = −0,50 berichtet, klingt das, als wüssten wir nun, wie wirksam Einsamkeitsinterventionen sind. Tatsächlich beschreibt diese Zahl aber nur den Durchschnitt vergangener Studien. Sie sagt wenig darüber aus, was eine künftige Intervention, irgendwo in der realen Welt mit echten Menschen umgesetzt, bewirken würde. Genau dafür gibt es das Prediction Interval. Es schätzt die Spannweite, in der die Effekte künftiger Studien wahrscheinlich liegen werden.
Für die RCTs der Lasgaard-Analyse reicht dieses Intervall von −1,51 bis +0,52. Im Klartext: Wenn morgen eine neue Studie zu einer Einsamkeitsintervention durchgeführt würde, könnte sie eine dramatische Verbesserung zeigen, einen moderaten Effekt – oder eine leichte Verschlechterung der Einsamkeit. Das ist keine theoretische Möglichkeit, sondern die mathematische Konsequenz der enormen Heterogenität zwischen den bisherigen Studien.
Diese Spannweite ist methodisch das Wichtigste, was man über das Feld wissen muss. Sie sagt: Der gemittelte Punktwert von SMD = −0,50 beschreibt eine Wolke höchst unterschiedlicher Befunde, deren Mittelung statistisch zulässig, aber inhaltlich wenig aussagekräftig ist. Was eine konkrete Intervention bei konkreten Menschen bewirkt, ist mit diesem Mittelwert nicht beantwortet.
Lasgaard und Kollegen benennen die Gründe für diese ernüchternde Lage offen. In 56 Prozent der RCTs war der Randomisierungsprozess unklar dokumentiert. In über der Hälfte gab es hohe oder unklare Abbruchquoten. Viele Studien hatten kleine Stichproben ohne vorherige Power-Berechnung. Und – besonders folgenreich – viele Studien rekrutierten nicht gezielt einsame Menschen, sondern Populationen, von denen man annahm, sie seien einsam: Bewohner von Pflegeheimen, Studierende, Menschen mit chronischen Erkrankungen. Wo wenig Einsamkeit ist, kann auch wenig reduziert werden.
Innerhalb dieser schwachen Gesamtevidenz zeichnet sich allerdings ein Muster ab, das robust ist und das durch Lasgaard, Hickin und Masi gleichermaßen bestätigt wird. Psychologische Interventionen – also Therapien, die maladaptive Kognition adressieren – erzielen die größten Effekte (SMD = −0,59 in RCTs). Soziale Netzwerk-Interventionen und Skills-Trainings folgen mit moderaten Werten (SMD = −0,46 und −0,42). Reine Sozialunterstützungs-Interventionen zeigen die schwächsten Resultate (SMD = −0,32) und sind in dieser Hinsicht statistisch signifikant schwächer als die anderen Strategien. Über vierzehn Jahre und drei methodisch unabhängige Meta-Analysen hinweg bleibt das Muster gleich: Was wirkt, ist psychotherapeutische Arbeit, nicht die bloße Bereitstellung von Begegnung.
Was eine kleine Effektstärke konkret bedeutet
An dieser Stelle möchte ich kurz innehalten, denn “moderater Effekt” ist eine wissenschaftliche Formulierung, die wenig anschaulich ist. Übersetzen wir sie in die Skala, auf der Einsamkeit tatsächlich gemessen wird.
Die UCLA Loneliness Scale reicht, wie erwähnt, von 20 bis 80 Punkten. In der Allgemeinbevölkerung liegt der Mittelwert bei etwa 40 bis 45 Punkten, die Streuung – also die statistische Standardabweichung – bei rund 10 Punkten. Als klinisch erhöht gilt grob ein Wert ab 50.
Ein Effekt von SMD = −0,50, wie ihn Lasgaard für die RCTs findet, entspricht dann etwa 5 Punkten Reduktion. Stellen wir uns einen typischen Teilnehmer vor: Er kommt mit 50 Punkten in die Studie und verlässt sie mit 45. Auf zwanzig Fragen verteilt heißt das, dass sich bei drei oder vier der zwanzig Fragen die Antwort um eine Stufe verschoben hat, etwa von “manchmal” zu “selten”. Bei den übrigen sechzehn oder siebzehn Fragen hat sich nichts geändert.
Hier kommt es entscheidend darauf an, womit man vergleicht. Viele Studien stellen die Intervention einer bloßen Wartelisten-Kontrolle gegenüber, einer Gruppe, die gar nichts erhält und erst nach Studienende behandelt wird. Dieser Vergleich überschätzt den wahren Effekt aber systematisch, weil er auch die bloße Zuwendung, die Aufmerksamkeit und die Besserungserwartung der Teilnehmer mitmisst. Das sind aber alles Dinge, die mit dem eigentlichen Wirkmechanismus nichts zu tun haben. Aus der breiteren Psychotherapieforschung ist gut dokumentiert, dass Effekte im Vergleich zu aktiven Kontrollgruppen, also Gruppen, die ebenfalls ein Angebot bekommen, nur ohne den spezifischen therapeutischen Inhalt, deutlich kleiner ausfallen können und bisweilen ganz verschwinden. Was als wirksame Intervention erscheint, könnte zu erheblichen Teilen schlicht Zuwendungseffekt sein.
Man könnte einwenden: Es gibt doch auch erfolgreichere Studien. Das stimmt. Nehmen wir eine der besten – eine internetbasierte kognitive Verhaltenstherapie, die Käll und Kollegen (2020) gegen eine Warteliste testeten und mit der sie einen statistisch großen Effekt erzielten. Die Teilnehmer kamen im Schnitt mit etwa 53 Punkten und gingen mit etwa 45 Punkten, also eine Verbesserung um rund 8 Punkte. Und doch: Sie landeten bei 45 Punkten, immer noch im Bereich des Bevölkerungsdurchschnitts. Sie waren danach etwas weniger einsam. Niemand von ihnen würde sagen, er sei nicht mehr einsam.
Wenn wir also in der Literatur von Effektstärken lesen, klingt das nach substanzieller Wirkung. Übersetzt in die Skala, auf der Einsamkeit tatsächlich gemessen wird, sieht es nüchterner aus: Ein typischer Studienteilnehmer kommt mit 50 Punkten herein und geht mit 45 hinaus. Bei drei oder vier von zwanzig Fragen hat sich die Antwort verschoben. Das ist statistisch signifikant. Es ist auch das, was ein öffentliches Programm als Wirksamkeitsbeleg seiner Investition anführen würde. Aber die wenigsten Teilnehmer würden sagen, sie seien nun nicht mehr einsam. Und je nachdem, womit verglichen wurde, könnte der spezifische therapeutische Effekt noch kleiner sein, als die Mittelwerte vermuten lassen.
Das ist übrigens kein Sonderbefund der Einsamkeitsforschung. Sozialpsychologische und verhaltensorientierte Interventionen produzieren fast durchgängig Effekte in dieser Größenordnung, egal ob es um Vorurteilsabbau, Gesundheitsverhalten oder Lernmotivation geht. Das macht den Befund nicht harmloser, sondern im Gegenteil bedeutsamer: Wir haben es mit einer strukturellen Eigenschaft eines ganzen Forschungsfelds zu tun. Was in der Fachliteratur als “moderater Effekt” gilt, ist auf der Ebene des einzelnen Menschen oft schwer zu spüren und das ist eine Information, die in der politischen Übersetzung dieser Befunde regelmäßig verloren geht.
Das britische Modell – ein Vorbild?
Großbritannien hat 2018 als erstes Land ein Einsamkeitsministerium geschaffen und auf das sogenannte Social Prescribing gesetzt: Hausärzte verweisen Patienten an Vermittler, die sie in Vereinsaktivitäten, Kurse oder Gemeinschaftsangebote einbinden. Das Modell ist politisch enorm populär und wird international als Vorbild gehandelt.
Nur fehlt der Wirksamkeitsnachweis. Ein systematischer Review im BMJ Open schon 2017 kam zu dem Schluss, dass die Evidenzbasis dünn sei: viel Rhetorik, wenig belastbare Wirkungsdaten. Eine aktualisierte Übersicht von 2021 fand ebenfalls keine robusten Effekte auf die Einsamkeit. Das Modell wird also exportiert, bevor gezeigt wurde, dass es funktioniert.
Zwei Gründe, warum Breitenprogramme scheitern
Es lohnt sich zu verstehen, warum die populärsten Interventionen so schwach abschneiden. Zwei Probleme stechen hervor.
Das erste ist ein Selektionsproblem. Niedrigschwellige Angebote, z.B. der Nachbarschaftstreff, der Seniorennachmittag, der “Plaudertisch”, ziehen vor allem jene an, die ohnehin sozial einigermaßen eingebunden und aktiv genug sind, um sich aus eigenem Antrieb anzumelden. Man predigt, etwas zugespitzt, zu den bereits Bekehrten. Die schwer erreichbaren, tief Vereinsamten kommen gar nicht erst.
Das zweite ist ein Mismatch-Problem. Wer wirklich chronisch einsam ist, leidet häufig unter einer Verzerrung der sozialen Wahrnehmung, die der Sozialpsychologe John Cacioppo beschrieben hat: eine erhöhte Wachsamkeit gegenüber sozialer Bedrohung, ein Hang, neutrale soziale Signale als ablehnend zu interpretieren, ein daraus folgender Rückzug, der die Ablehnung dann tatsächlich provoziert. Für diese Menschen ist ein Begegnungsangebot allein nicht nur unzureichend – es kann die negative Erfahrung sogar bestätigen. Was sie brauchen, ist eine psychotherapeutische Bearbeitung dieser Denkmuster, nicht ein weiterer Raum, in dem sie sich falsch fühlen.
Damit schließt sich der Kreis zur eigentlichen Pointe von Teil 3: Was nachweislich wirkt, nämlich psychotherapeutische, individuelle Interventionen für chronisch Einsame mit moderaten, aber heterogenen Effekten, ist nicht das, was öffentliche Programme typischerweise fördern. Und selbst die wirksamsten dokumentierten Interventionen führen die Teilnehmer nicht aus der Einsamkeit heraus. Sie lassen sie ein wenig weniger einsam zurück.
Damit stellt sich die eigentliche Frage, die das ganze Feld betrifft und die in der politischen Übersetzung dieser Forschung systematisch unterbleibt: Lohnt es sich überhaupt, Effekte dieser Größenordnung in flächendeckende politische Maßnahmen zu überführen? Die Antwort ist nicht trivial. Statistische Signifikanz ist keine Antwort darauf, sie sagt nur, dass der Effekt wahrscheinlich nicht null ist. Die Frage, ob der Effekt groß genug ist, um den Aufwand, die Opportunitätskosten und die möglichen Nebenwirkungen einer flächendeckenden Intervention zu rechtfertigen, ist eine andere und sie wird in der Einsamkeitsdebatte selten gestellt.
Teil 4: Wie ist die Lage zu beurteilen?
Fügt man die Befunde zusammen, ergibt sich ein Bild, das der politischen Rhetorik diametral entgegensteht, aber kein zynisches Bild ist.
Drei Phänomene unter einem Namen
Das Grundproblem der Debatte ist, dass unter dem Wort “Einsamkeit” drei verschiedene Dinge verhandelt werden, die sich in Verlauf, Ursache und sinnvoller Reaktion erheblich unterscheiden.
Da ist erstens der Pandemieschock: real, gut dokumentiert, aber weitgehend abgeklungen. Zweitens der säkulare Anstieg im mittleren Lebensalter, der in den USA stattgefunden hat, aber nicht auf Europa übertragbar ist. Und drittens das demografisch stabile, klinisch relevante Phänomen der chronischen Einsamkeit in identifizierbaren Risikogruppen – real, aber kein neues, krisenhaftes Geschehen. Der politische Diskurs behandelt alle drei als ein einheitliches Problem und fördert flächendeckende Programme, die für keines der drei spezifisch zugeschnitten sind.
Ein bekanntes Muster
Wer die Debatten der letzten Jahre verfolgt hat, erkennt hier ein wiederkehrendes Muster, das nicht auf die Einsamkeitspolitik beschränkt ist: Ein akuter Anlass, hier die Pandemie, erzeugt politischen Handlungsdruck. Es werden Programme aufgelegt und in die Fläche gebracht. Eine ernsthafte Wirkungsevaluation findet entweder nicht statt oder dringt im öffentlichen Diskurs nicht durch. Und methodisch besser belegte Alternativen, die gezielte psychotherapeutische Versorgung der wirklich Betroffenen, geraten ins Hintertreffen, weil sie weniger sichtbar und politisch weniger dankbar sind.
Es ist dasselbe Muster, das man aus anderen gut gemeinten, aber schwach belegten Interventionsfeldern kennt. Und die Lehre daraus ist nicht, nichts zu tun, sondern strukturierter zu denken: Wirkung messen statt Aktivität feiern.
Was zur Diskussion steht – und was suggeriert wird
Man halte sich noch einmal die Größenordnung vor Augen. Selbst wenn jedes geförderte Programm die Effektstärke der besten dokumentierten Studien erreichte, eine zugegebenermaßen sehr optimistische Annahme, redeten wir im Mittel über etwa fünf Punkte Veränderung auf einer Skala von 20 bis 80. Das ist die Realität, die hinter den Zahlen steht. Es ist nicht die Realität, die das Wort “Epidemie” suggeriert.
Damit ist die in Teil 3 aufgeworfene Meta-Frage nach dem Nutzen der Maßnahmen unausweichlich. Sie zu beantworten heißt, mindestens drei Dimensionen ehrlich nebeneinanderzulegen.
Die erste ist die schlichteste: das Verhältnis von Effekt und Aufwand. Eine Intervention, die nur wenige Punkte auf der Einsamkeitsskala bewegt, kann pro Person erhebliche Kosten verursachen: Personal, Räumlichkeiten, Schulungen, Koordination. Multipliziert mit einer flächendeckenden Implementierung wird daraus schnell ein zweistelliger Millionenbetrag. Das ist nicht automatisch ein Argument gegen die Maßnahme. Aber es ist eine Frage, die gestellt werden muss, bevor die Mittel fließen und nicht erst danach, wenn die Programme bereits institutionalisiert sind und ihre eigene politische Trägheit entwickelt haben.
Die zweite Dimension sind die Opportunitätskosten. Jeder Euro, der in eine schwach wirksame Breitenmaßnahme fließt, fließt nicht in eine möglicherweise stark wirksame gezielte Maßnahme. Wenn die psychotherapeutische Versorgung der chronisch Einsamen unterfinanziert bleibt, weil gleichzeitig Begegnungsangebote in die Fläche gerollt werden, ist das keine neutrale Allokationsentscheidung. Es ist eine, die mit der Wirksamkeitsfrage direkt zusammenhängt und die durch die Verwechslung von “etwas tun” mit “Wirksames tun” verdeckt wird.
Die dritte Dimension ist die unangenehmste, weil sie der Logik der Wohltat zuwiderläuft: die Möglichkeit iatrogener Effekte. Großflächige Aufmerksamkeitskampagnen für ein Phänomen können das Phänomen mit erzeugen, indem sie eine normale menschliche Erfahrung, die episodische Einsamkeit, in den Rahmen einer Pathologie verschieben. Wer lernt, dass Einsamkeit so schädlich ist wie fünfzehn Zigaretten am Tag, interpretiert vielleicht das eigene Einsamkeitsgefühl nach einer Trennung oder einem Umzug nicht mehr als das, was es meistens ist: ein vorübergehender, oft selbstkorrigierender Zustand. Sondern als alarmierendes Symptom, das Intervention braucht. Solche Effekte sind aus anderen Bereichen der Gesundheitskommunikation gut dokumentiert, von der Diagnoseinflation bei ADHS bis zur Pathologisierung normaler Trauer.
Wenn man diese drei Dimensionen ernst nimmt, ergibt sich kein Argument für Untätigkeit. Aber ein Argument für Präzision: dafür, gezielt zu intervenieren, wo die Effekte wirklich relevant sind, statt flächendeckend etwas zu unternehmen, das im Mittel kaum spürbar wird. Es ist der Unterschied zwischen einer Politik, die etwas tut, und einer Politik, die etwas bewirkt.
Wie eine evidenzbasierte Einsamkeitspolitik aussähe
Eine evidenzbasierte Einsamkeitspolitik würde, erstens, sauber beobachten, ohne in Alarmrhetorik zu verfallen. Sie würde, zweitens, die tatsächlich chronisch Einsamen identifizieren und ihnen gezielt psychotherapeutische Versorgung anbieten, statt auf Breitenangebote zu setzen. Sie würde, drittens, strukturelle Maßnahmen, z.B. in der Pflege, der Mobilität, dem Wohnen, in ihrer eigenen Begründungslogik verfolgen, statt sie als Einsamkeitsbekämpfung umzuetikettieren. Sie würde, viertens, jedes geförderte Programm einer präregistrierten Wirkungsevaluation unterziehen. Und sie würde, fünftens, mit dramatischer Sprache zurückhaltend sein. Nicht aus Verharmlosung, sondern weil die Pathologisierung einer normalen menschlichen Erfahrung eigene Schäden anrichten kann.
Eine Anmerkung zum deutschen Kontext
Auch in Deutschland gibt es seit 2023 eine Strategie der Bundesregierung gegen Einsamkeit, begleitet von Initiativen auf Landes- und kommunaler Ebene. Sie reagiert auf einen realen Pandemieeffekt, dessen langfristige Persistenz sich noch nicht abschließend beurteilen lässt. Wie bei jeder sozialpolitischen Intervention wird ihre Wirksamkeit davon abhängen, ob präregistrierte Evaluationen Teil des Programms werden und ob die hier beschriebenen Selektions- und Mismatch-Probleme ernst genommen werden. Das ist keine Kritik an guten Absichten. Es ist die schlichte Feststellung, dass gute Absichten und nachgewiesene Wirkung zwei verschiedene Dinge sind.
Schluss
Kehren wir zum Anfang zurück, zu den fünfzehn Zigaretten. Die Zahl ist deshalb so verführerisch, weil sie etwas Wahres zu enthalten scheint und zugleich eine klare Handlungsaufforderung liefert. Doch sie ist, wie das ganze Feld, mehr Versprechen als Befund. Die Aufgabe ist nicht, die Einsamkeit zu ignorieren, denn sie ist ist für jene, die sie chronisch erleben, ein ernstes Leid. Die Aufgabe ist, sie präzise zu adressieren: das reale Problem von der dramatisierten Erzählung zu trennen, die wirklich Betroffenen von den statistisch Mitgezählten, die wirksamen Interventionen von den wohlmeinenden zu unterscheiden.
Anmerkung: Dieser Beitrag gibt ausschließlich die Position des Autors als Wissenschaftskommunikator wieder.
Literatur
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